Willkommen zur Vorschau,

der Meister Ausstellung in der Gmünder Ersatzkasse ( Schwäbisch Gmünd ), eröffnet am 08.03.2007


08.03.2007
Vernissage in der Gmünder Ersatz Kasse GEK Schwäbisch Gmünd. Die zum ersten Mal ausgestellte Serie von 12
Bildern, die sich mit der Kunst der Gebärdensprache auseinander setzt, wird von weiteren 40 früheren Werken umrahmt.Die
Ausstellung ist bis Ende April 2007 für das Publikum geöffnet.
Hans-Joachim Haug

Vorstandsvorsitzender der

Württembergischen Gemeindeversicherung WGV

Kunstausstellung

"Valentin Fanel"

Rede anlässlich der Vernissage am 8. März 2006

in der Hauptverwaltung in Schwäbisch Gmünd

Es gilt das gesprochene Wort!

„Höher, schneller, weiter“ - der sportliche Wettkampf ist so alt wie die Menschheit selbst. Zu allen Zeiten haben sich Olympioniken, Gladiatoren und Mehrkämpfer mit anderen Athleten gemessen. Sportliche Wettkämpfe gehören zu jeder Kultur und jeder Gesellschaft. In ihnen wird das Verhältnis der Menschen zu sich selbst und zu anderen, etwa Kontrahenten, offenbar. Trotz aller technischen Entwicklungen, moderner Forschung und einer immer besseren Ausrüstung steht bis heute die Leistung des einzelnen Sportlers im Mittelpunkt - abgesehen von den Mann-schaftssportarten wie Staffeln, Biathlon, Fußball oder Handball. Doch auch hier dreht es sich oftmals um Einzelspieler.Für einen Sportler mag deshalb eine Kunst, die sie sich mit Sport und Wettkampf befasst, gleich doppelt faszinierend sein. Der Allroundkünstler Valentin Fanel wird Ihnen das sicherlich bestätigen. Für ihn spielte immer beides eine wichtige Rolle. Er ist 1967 in Rumänien geboren. In Italien, in Reggio Emilia absolvierte er eine Ausbildung zum klassischen Tänzer. Das König-liche Ballett von Flandern, das Staatstheater Mainz, Japan und nochmals Italien waren einige seiner anschließenden beruflichen Stationen.Aus seiner langjährigen Laufbahn als klassischer Tänzer weiß er, wofür sich die Zuschauer interessieren: die Kunstfertigkeit der Körper, die Ästhetik der Bewegung. Muskelkraft, Eleganz und Können sind die Eigenschaften, für die das Publikum applaudiert. Wer eine Ballettaufführung besucht, will diese trainingsintensive Sportart als Präsentation von Kunst, Musik und grazilen Bewegungen genießen. Er ahnt jedoch nur wenig davon, wie viel Trainingsstunden zuvor jeder Tänzer absolvieren musste, wie viel Kraft und Anstrengung es gekostet hat.1999 musste Fanel seine Tanzkarriere aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Die Kunst rückte in den Lebensmittelpunkt. Bereits 1987 absolvierte er neben seiner Tanzausbildung ein Studium in ange-wandter Kunst. Erste Arbeiten mit der Airbrush-Technik ließen die Serie „Euro-Geldscheine“ entstehen, die zum ersten Mal in der Europäischen Zentralbank in Frankfurt ausgestellt wurde und die Sie auch heute Abend bei uns finden kön-nen.Weitere Ausbildungen in digitaler Fotografie und digitaler Fotobearbeitung folgten. Durch sein gestalterisches Können gelang es dem Multitalent mit drei Bil-dern auf die Titelseite des Wissenschafts-Magazins P.M. zu kommen: Symboli-sches und Rätselhaftes, das zum Nachdenken anregt. Besonders aber Porträtse-rien und fotorealistische Studien sind seine Stärke. Im Dezember 2003 begann er mit der Umsetzung einer Ide für die große Jubiläumsschau in der Deutschen Sporthochschule in Köln. Die dafür entstandenen Werke, die Sie auch in den GEK Räumen sehen können, zeigen hyperrealistisch dargestellte Motive des Sports, die er mit Hilfe verschiedener Techniken auf Leinwand überträgt. Durchleuchtete Kör-per, die jeden einzelnen Muskel erkennen lassen, kreisende Zahnräder und Gitter-strukturen prägen seine Motive. Nehmen Sie zum Beispiel das Bild des Sprinters: Konzentriert wartet er auf den Startschuss – bereit, jeden Moment los zu rennen und alles zu geben. Wenige Sekunden, die über Sieg oder Niederlage entschei-den. Währenddessen hat es die Hochspringerin schon fast geschafft. Mit weit auf-gerissenem Mund fliegt sie über die Latte. Doch wie wird sie den Sprung beenden? Keine Matte, sondern leere schwarze Tiefe erwartet sie jenseits des Erfolges. Die schwarze Tiefe der Pupille des Betrachters, die die Anspannung der Wettkämpfe-rin festhält. „Ein anderer Blick auf den Sport“ lautet auch der Titel dieser Bildreihe. In der Tat erhält der Betrachter den Eindruck, als wäre der Sportler aus seinem üblichen Bezugsrahmen herausgenommen und als könne er an seinen Gedanken teilhaben. Die Darstellungen bestechen durch Brillanz und Genauigkeit, die eine ungeheure Lebendigkeit erzeugen. Reichen ihm Standardformate nicht aus, erwei-tert er sie durch angefügte Flächen zum Mosaik oder zum Tableau. Fanels Kunst-richtung einzuordnen fällt schwer, wie er auch selbst zugibt. Zitat: „Ich habe ein Problem damit. Vielleicht kann man es Realismus, vielleicht Hyperrealismus nen-nen. Aber ich bin nicht auf einen Stil fest gelegt. Möchte ich auch nicht. Es macht für mich keinen Sinn, dann wäre es wie ein normaler Job. Im Ballett habe ich auch nicht immer nur das eine getanzt.“ Auch bei seinen Techniken legt sich Fanel nicht fest. Airbrush, Gemaltes und Gezeichnetes, Fotografien, Illustrationen und Anima-tionen kommen teilweise gleichzeitig in einem Bild vor. Für welche Technik er sich entscheidet, ist von Bild zu Bild verschieden und wechselt von Detail zu Detail. Ein Vorbild hat er dennoch: Salvador Dali. Erneut ein Zitat: „Ein unglaubliches Genie. Der fasziniert mich immer wieder in seiner enormen Vielfältigkeit. Schaut man sich seine ganzen Bilder an, kann man nicht glauben, dass es ein und derselbe Maler ist.“ So geht es auch dem Betrachter von Fanels Werken. Der Künstler ist stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen. So hat er extra für diese Ausstellung zehn neue Bilder angefertigt. Inspiriert hat ihn dazu die Zusammenarbeit mit einer Gehörlosen-Schule. Es ist der mutige Versuch, die Gebärdensprache – eine Spra-che ganz ohne Laute, die sich allein durch Bewegungen manifestiert – bildnerisch umzusetzen. Einzelne Gesten in der Gebärdensprache drücken Buchstaben aus, andere wiederum entsprechen ganzen Wörtern oder Redewendungen. So sehen Sie links an der Wand beispielsweise die drei Zeichen für GEK - eine Hommage an das Haus. Gegenüber, als Spirale angeordnet, können Sie eine zusammenhän-gende Serie betrachten. Ausgangspunkt war dafür die Idee durch Bilder eine Ge-schichte zu erzählen. Diese Bildergeschichte handelt vom Leben selbst: Geburt, Kindheit, Gesundheit, Frieden und Zukunft sind die zentralen Begriffe. Aneinan-dergereiht ergibt sich ein Satz. Die Bilder können aber auch anders kombiniert werden, sie ergeben immer wieder denselben Sinn. Vielleicht zeigt der neue Zyk-lus das Urthema des Fanel'schen Oeuvres: Dem Künstler geht es um Körperspra-che, um Bewegung und Gestik. Auffallend auch hier wieder sein Blick für die Lei-denschaft der Bewegungen. Aber staunen Sie selbst! Die Ausstellung umfasst insgesamt 50 Werke. Ich lade Sie ein, sich intensiv mit den ansprechenden Wer-ken auseinanderzusetzen. Dabei wünsche ich Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, viel Spaß.

David Martini

GEK Redakteur Presse

Art Direction & Webmaster
Valentin Fanel 2006